Wann ist eine Aussage Ausdruck von Glaubensstärke  -  und wann von Übermut motiviert?

Wir waren ein junges Team und hatten eine Menge Vertrauen. Einige unseres Teams hatten den Eindruck, wir sollten für die nächste Veranstaltung des “Offenen Abends Augsburg” das größte Filmtheater in der Stadt mieten. Das taten wir dann auch. Doch dieser Abend war nicht viel besser besucht als sonst auch - das Theater blieb zu 2/3 leer. Wir waren enttäuscht und fragten uns: Was haben wir da nur  gehört? Eine der “Anstifterinnen” bekannte: “Ich wollte das einfach! Ich wollte mit unserem Team groß herauskommen!”

Das kann passieren und ist ja auch nicht so schlimm, einmal abgesehen von der Enttäuschung Einzelner. Wer nichts wagt, gewinnt nichts. Aber wenn die Einsätze größer werden, sind auch die Enttäuschungen größer und manch einer verliert seinen Glauben.

Wie kann ich unterscheiden? Vielleicht hilft ein aktuelles Beispiel. Auf der Seite von ESBS “Europa soll gerettet werden” steht die Angabe: In 10 Jahren werden 100 Millionen Europäer gerettet werden. Und wir werden dazu aufgerufen, zu glauben und unsere “Gedankengebäude einzureißen” - also nichts für unmöglich zu halten.  Das ist ja ein Satz von Jesus. Aber gibt es Hinweise, das etwas nicht stimmt?

Der erste Hinweis ist ganz einfach: Wenn Zahlen genannt werden, ist Zweifel angebracht. Die Jesusbewegung der ersten Zeit hat in drei Jahrhunderten das ganze römische Reich erobert. In der Apostelgeschichte steht das Programm: Von Jerusalem bis an die Enden der Erde. Nur steht da nirgendwo eine Zahl. Es steht auch nicht da:  “Wir werden das römische Reich erobern”. Da steht die Bitte: Dein Reich komme! Unsere Aufgabe ist, das Evangelium weiterzugeben, nichts anderes.  Was daraus wird, ist Gottes Sache.

Der zweite Hinweis:  Der Rausch der Größe. Ist die Ankündigung in irgendeiner Weise gewaltig? Steht das Vorhaben in seiner Größe im Vordergrund? Wäre es also ohne diese prophezeite gewaltige Menge nichts? Ich bin wirklich kein Freund von Aussagen wie “Auch für diesen einen Bekehrten hat sich der ganze Aufwand gelohnt!”  - aber die Masse und Größe sollte nicht im Vordergrund stehen.

Der dritte Hinweis::  Das Wagnis des Glaubens wird plakativ vermarktet: Seht her, was wir wagen! Das hat es noch nie gegeben! Wir durchbrechen alles Gewöhnliche! 

Der vierte Hinweis:  Es funktioniert nur, wenn möglichst viele daran glauben. Darum wird in allen sozialen Netzen dazu aufgerufen, Gott zu bestürmen. Alle sollen dreimal am Tag den Satz aussprechen: Europa soll gerettet werden! Wenn Gott nichts unmöglich ist - und das glaube ich! - dann braucht er keine bestimmte Menge von Gläubigen, um zu handeln.

 

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