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Biblische Gedanken

Tag für Tag Gedanken und Impulse zu biblischen Texten. 

   Impuls für diesen Tag 


6.Juli Lukas 16, 1 – 8

Jesus wandte sich zu seinen Jüngern und sagte: »Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Über diesen gingen Klagen bei ihm ein; es hieß, er veruntreue ihm sein Vermögen. Da ließ er den Verwalter rufen. ›Was muss ich von dir hören?‹, sagte er zu ihm. ›Leg die Abrechnung über deine Tätigkeit vor; du kannst nicht länger mein Verwalter sein.‹ Der Mann überlegte hin und her: ›Was soll ich nur tun? Mein Herr wird mich entlassen. Für schwere Arbeit tauge ich nicht, und ich schäme mich zu betteln. Doch jetzt weiß ich, was ich tun kann, damit die Leute mich in ihren Häusern aufnehmen, wenn ich meine Stelle als Verwalter verloren habe.‹ Nacheinander rief er alle zu sich, die bei seinem Herrn Schulden hatten. ›Wie viel bist du meinem Herrn schuldig‹, fragte er den ersten. ›Hundert Fass Olivenöl‹, antwortete der. Darauf sagte der Verwalter: ›Hier, nimm deinen Schuldschein, setz dich schnell hin, und schreib stattdessen fünfzig.‹ Dann fragte er den nächsten: ›Und du, wie viel bist du ihm schuldig?‹ – ›Hundert Sack Weizen‹, lautete die Antwort. Der Verwalter sagte zu ihm: »Hier, nimm deinen Schuldschein, und schreib stattdessen achtzig.‹ Da lobte der Herr den ungetreuen Verwalter dafür, dass er so klug gehandelt hatte. In der Tat, die Menschen dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Menschen des Lichts.«

Warum stellt uns Jesus einen ungerechten Verwalter als Vorbild dar? Manche sagen, er sei, als er unter Druck geriet, aus dem Unrechtssystem der Verwaltung ausgestiegen und habe die ungerechten Forderungen seines reichen Chefs vermindert. Das kann man so verstehen. Dann wäre das kluge Handeln, das Jesus lobt, der Ausstieg aus ungerechten Systemen. Aber zugleich gilt: Der Verwalter sorgt klug für seine Zukunft, indem er sich Freunde macht, die ihn später aufnehmen werden. So gesehen wäre der Punkt, auf den Jesus hinweist, die kluge Vorsorge für die Zukunft. Wenn die, die nicht an Gottes Welt glauben, schon so klug sind, wie viel mehr sollten die Anhänger Jesu heute schon für ihr zukünftiges Leben bei Gott sorgen? Zusammengenommen heißt das: Du kannst, indem du aus dem Unrecht aussteigst, das die Umwelt treibt, heute schon für deine Zukunft vorsorgen. An welchen Unrechtssystemen bin ich beteiligt? Wo kann ich mit meinem Geld Gutes tun und Menschen helfen?

5.Juli 2021 Lukas 15, 25 - 32

Der ältere Sohn war auf dem Feld gewesen. Als er jetzt zurückkam, hörte er schon von weitem den Lärm von Musik und Tanz. Er rief einen Knecht und erkundigte sich, was das zu bedeuten habe. ›Dein Bruder ist zurückgekommen‹, lautete die Antwort, ›und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn wohlbehalten wiederhat.‹ Der ältere Bruder wurde zornig und wollte nicht ins Haus hineingehen. Da kam sein Vater heraus und redete ihm gut zu. Aber er hielt seinem Vater vor: ›So viele Jahre diene ich dir jetzt schon und habe mich nie deinen Anordnungen widersetzt. Und doch hast du mir nie auch nur einen Ziegenbock gegeben, sodass ich mit meinen Freunden hätte feiern können! Und nun kommt dieser Mensch da zurück, dein Sohn, der dein Vermögen mit Huren durchgebracht hat, und du lässt das Mastkalb für ihn schlachten!‹ – ›Kind‹, sagte der Vater zu ihm, ›du bist immer bei mir, und alles, was mir gehört, gehört auch dir. Aber jetzt mussten wir doch feiern und uns freuen; denn dieser hier, dein Bruder, war tot, und nun lebt er wieder; er war verloren, und nun ist er wiedergefunden.‹«

Der ältere Sohn ist letztlich schlimmer dran als der Jüngere. Für ihn scheint es keine Umkehr zu geben. Er ist ein Bild für all die religiöse Menschen, die ihren Dienst als Voraussetzung für die Liebe und Zuwendung ihres Gottes sehen. Sie müssen Opfer bringen, um Gott zu versöhnen – und das größte Opfer ist ihnen das eigene Leben, das freiwillige Sklavendasein. Darum ist der ältere Sohn auf dem Feld, mitten im Dienst – ältere Söhne und Töchter sind immer im Dienst. Tanz und Gesang sind ihnen suspekt – so geht der Sohn gar nicht in die Nähe solcher sinnlosen Tätigkeiten. Er wird sofortzornig, als er erfährt, dass der, der den Dienst verweigert hat, jetzt gefeiert wird. Sehr verräterisch ist der Satz: „Ich habe mich nie deinen Anordnungen widersetzt!“ Ja, das hätte er gerne getan – aber sich nie getraut. Irgendetwas Furchtbares wäre dann über ihn hereingebrochen. Darum ist es für ihn so unerhört, dass dem Jüngeren die Sohnschaft wiedergegeben wird. Er selbst hat nie erfasst, dass ihm doch alles gehört, was der Vater hat, denn er meinte ja, es sich verdienen zu müssen.
Entdecke ich Züge dieses Sohnes in mir? Muss ich mir die Liebe des Vaters durch Engagement oder durch „Bravsein“ verdienen? Dann habe ich die Liebe des Vaters noch nicht begriffen – oder bin von ihr nicht wirklich ergriffen. Denn du bist der geliebte Sohn, die geliebte Tochter deines Gottes!



4.Juli Lukas 15, 20 - 24

So machte er sich auf den Weg zu seinem Vater. Dieser sah ihn schon von weitem kommen; voller Mitleid lief er ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. ›Vater‹, sagte der Sohn zu ihm, ›ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn genannt zu werden.‹ Doch der Vater befahl seinen Dienern: ›Schnell, holt das beste Gewand und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an den Finger und bringt ihm ein Paar Sandalen! Holt das Mastkalb und schlachtet es; wir wollen ein Fest feiern und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot, und nun lebt er wieder; er war verloren, und nun ist er wiedergefunden.‹ Und sie begannen zu feiern.

Der Vater läuft dem Sohn entgegen! Er hat auf ihn gewartet, nach ihm Ausschau gehalten. Der Sohn bringt seinen Satz vor, doch der Vater geht nicht drauf ein, er tut etwas ganz anders: Er lässt sofort Gewand, Ring und Sandalen holen: Das sind hier die Zeichen der erneuerten Sohnschaft. Die Sünden des Sohnes kommen überhaupt nicht zur Sprache, seine Umkehr ist genug. So ist Gott! Bei ihm geht es nicht um Aufrechnung unserer Taten, sondern um das Herz: Da ist ein Mensch, der seinen Fehler erkannt hat und zurückkommt – das alleine zählt. Der Gott, den Jesus uns damit vor Augen stellt, ist ein barmherziger Vater, der uns kennt und liebt. Aber der uns auch die Freiheit lässt, unsere eigenen Wege zu wählen. Die Tür bleibt immer offen, er wartet auf uns, bis wir bereit sind, zurückzukehren und zuzugeben: Der Weg, den ich gewählt habe, war ein Irrweg. Vergib mir, Vater! Und dann schließt er uns in die Arme.


3.Juli Lukas 15, 14 - 19

Als er alles aufgebraucht hatte, wurde jenes Land von einer großen Hungersnot heimgesucht. Da geriet auch er in Schwierigkeiten. In seiner Not wandte er sich an einen Bürger des Landes, und dieser schickte ihn zum Schweinehüten auf seine Felder. Er wäre froh gewesen, wenn er seinen Hunger mit den Schoten, die die Schweine fraßen, hätte stillen dürfen, doch selbst davon wollte ihm keiner etwas geben. Jetzt kam er zur Besinnung. Er sagte sich: ›Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, und alle haben mehr als genug zu essen! Ich dagegen komme hier vor Hunger um. Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn genannt zu werden. Mach mich zu einem deiner Tagelöhner!‹

Ganz unten! Was gibt es Schlimmeres für einen Juden als Schweine zu hüten? Erst in dieser Lage kann er sein Handeln erkennen. Er hat das Erbe seines Vaters verschleudert. Er hat nicht als Sohn gehandelt, sondern wie ein fremder Räuber. Immerhin weiß er: Ich habe da noch eine Chance. Ich kann zurückkommen. Er ist zur Besinnung gekommen. Manchmal ist eine persönliche Katastrophe nötig, um „zur Besinnung zu kommen.“ Was macht Menschen „besinnungslos“? Oft ist es erhoffter Reichtum, Anerkennung durch andere oder Macht, die erstrebt wird. Auch Vergnügen und Zerstreuung – wie hier im Gleichnis – kann besinnungslos machen. Worin liegt meine Gefährdung, „besinnungslos“ zu werden? Wie kann ich ihr entkommen?



2.Juli Lukas 15, 11 – 13

 Jesus fuhr fort: »Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere sagte zu ihm: ›Vater, gib mir den Anteil am Erbe, der mir zusteht!‹ Da teilte der Vater das Vermögen unter die beiden auf. Wenige Tage später hatte der jüngere Sohn seinen ganzen Anteil verkauft und zog mit dem Erlös in ein fernes Land. Dort lebte er in Saus und Braus und brachte sein Vermögen durch.

Schon der Anfang dieses bekannten Gleichnisses enthält Provokatives: So etwas macht man einfach nicht im Orient! Denn sein Erbe vor der Zeit zu fordern, heißt: Du bist für mich gestorben! Es ist ein grobes Foul. So also geht der jüngere Sohn mit seinem Vater um. Und er trennt sich von allem, was vorher sein Leben war: Er zieht in ein fernes Land. Er kann endlich ohne väterliche Aufsicht das leben, von dem er immer geträumt hat: In Saus und Braus! Schon der Anfang der Geschichte sagt: So gehen wir mit Gott, dem Geber des Lebens um! Wir trennen uns von ihm, der Quelle des Lebens, wir wollen selbst definieren, was wahres Leben ist. Wir wollen frei sein, endlich tun, was wir wollen. Halte ich Gott für den Begrenzer meines Lebens? Für die Quelle ärgerlicher Vorschriften? Was denke ich im Tiefsten über Gott? Was fühle ich, wenn ich „Vater“ zu ihm sage?

1.Juli Lukas 15, 8 – 10

»Oder wie ist es, wenn eine Frau zehn Silbermünzen hat und eine davon verliert? Zündet sie da nicht eine Lampe an, kehrt das ganze Haus und sucht in allen Ecken, bis sie die Münze gefunden hat? Und wenn sie sie gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: ›Freut euch mit mir! Ich habe die Münze wiedergefunden, die ich verloren hatte.‹ Ich sage euch: Genauso freuen sich die Engel Gottes über einen einzigen Sünder, der umkehrt.«

Auch in diesem Gleichnis gibt es diesen Punkt der Übertreibung. Was macht diese Frau für ein Aufheben um diese eine Münze! Sie ruft alle Welt zusammen, nur weil sie das Ding gefunden hat! So wertvoll ist Gott jede und jeder Einzelne. Und in diesem „gesucht und gefunden“ liegt noch etwas anderes: Wir meinen, wir seien die, die unser Leben in der Hand haben, die Entscheidungen treffen, uns bekehren oder auch nicht. Aber das stimmt nicht. Wir werden gesucht! Es geschehen uns Dinge im Leben, die wir in keiner Weise beeinflussen konnten – Menschen, die wir zufällig getroffen haben, Bücher, an die wir geraten sind, Veranstaltungen, in die wir rätselhafterweise geraten sind. Gott sucht uns unablässig – aber lassen wir uns auch finden? Wie habe ich das Suchen Gottes in meinem Leben erfahren?

30. Juni Lukas 15, 1 - 7

Jesus war ständig umgeben von Zolleinnehmern und anderen Leuten, die als Sünder galten; sie wollten ihn alle hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten waren darüber empört. »Dieser Mensch gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen!«, sagten sie. Da erzählte ihnen Jesus folgendes Gleichnis: »Angenommen, einer von euch hat hundert Schafe, und eins davon geht ihm verloren. Lässt er da nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voller Freude auf seine Schultern und trägt es nach Hause. Dann ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: ›Freut euch mit mir! Ich habe das Schaf wiedergefunden, das mir verloren gegangen war.‹ Ich sage euch: Genauso wird im Himmel mehr Freude sein über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.«

Die Gerechten sind wieder einmal empört, mit welchen Leuten sich Jesus abgibt. Er sollte wie sie Abstand halten, sich reinhalten. Das Gleichnis, das Jesus erzählt, hat – wie so oft – einen überraschenden Punkt: Würde ein guter Hirte wirklich 99 Schafe in der Steppe lassen, um eines zu suchen? Nein, natürlich nicht, er könnte doch die 99 auch noch verlieren. Damit sagt Jesus: So viel ist Gott jeder einzelne verlorene Mensch wert! Er geht ihm nach, bis er ihn gefunden hat und trägt ihn nach Hause. Die Liebe berechnet nicht, sie sieht den Einzelnen, der Umkehr nötig hat und freut sich unbändig, wenn die Suche gelingt und ein Mensch gefunden wird. Die Gerechten meinen, sie hätten keine Umkehr nötig und täuschen sich gerade darin. Es ist geradezu das Merkmal des Reiches Gottes, dass es von denen bevölkert wird, die umgekehrt sind und nicht von denen, die denken, sie seien schon lange drin. Wo komme ich in der Geschichte vor? Bin ich verlorenes und gefundenes Schaf? Ein vermeintlich Gerechter? Oder ein Hirte, der verlorene Schafe sucht? Kenne ich die Freude über die Umkehr von Menschen, die verloren waren?



29.Juni Epheser 6, 21 – 24

Nun werdet ihr aber auch etwas über mich erfahren wollen und darüber, wie es mir geht und was ich tue. Tychikus, unser geliebter Bruder und mein treuer Mitarbeiter im Dienst für den Herrn, wird euch alle Neuigkeiten mitbringen. Wenn ich ihn zu euch schicke, dann genau aus diesem Grund: Ihr sollt erfahren, wie es um uns steht, und sollt durch seinen Besuch gestärkt und ermutigt werden. Allen Geschwistern wünsche ich Frieden von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, dem Herrn – Frieden und Liebe und Glauben. Die Gnade sei mit allen, die unseren Herrn Jesus Christus lieben. Er schenke euch unvergängliches Leben!

So verabschiedet sich Paulus von seiner Gemeinde. Er hält es nicht für nötig, Pergament zu verschwenden, um über seine persönliche Lage zu berichten – das wird Tychikus für ihn tun. Auch hier klingt wieder das Anliegen durch, dass seine Leute gestärkt und ermutigt werden. Wird die Gemeinde in der quirligen Hafenstadt Ephesus überleben? Werden sie den Versuchungen der antiken Welt widerstehen? Frieden und Liebe und Glauben – das sind seine Wünsche für die Gemeinde. Frieden – das ist eine grundsätzliche Versöhntheit mit allen und mit dem eigenen Leben. Liebe umfasst alle, die ich kenne und die mir begegnen und will das Gute für sie. Glauben oder Vertrauen weiß, dass alles gut ausgehen wird und dass Gott auch in der Zukunft für mich sorgen wird. In welchem dieser drei Bereiche brauche ich am ehesten Ermutigung und neuen Schwung?


28.Juni Epheser 6, 18 – 20

Wendet euch, vom Heiligen Geist geleitet, immer und überall mit Bitten und Flehen an Gott. Lasst dabei in eurer Wachsamkeit nicht nach, sondern tretet mit Ausdauer und Beharrlichkeit für alle ein, die zu Gottes heiligem Volk gehören. Betet auch für mich! Bittet Gott, mir bei der Verkündigung seiner Botschaft die richtigen Worte zu geben. Dann kann ich das Geheimnis des Evangeliums unerschrocken bekannt machen. Ich bin ja als Gottes Gesandter für das Evangelium tätig, und gerade deshalb bin ich zurzeit im Gefängnis. Betet, dass ich meinen Auftrag erfüllen und diese Botschaft frei und offen weitergeben kann.

Die Bitte des Paulus ist erstaunlich. Wäre es nicht sehr verständlich, wenn dort stehen würde: „Bittet für mich, dass ich rasch wieder aus diesem Loch hier herauskomme? Aber das steht da nicht. Nein, er führt seine Lage auf seinen Auftrag zurück und scheint zu denken: Das ist schon ganz richtig, dass ich hier sitze! Auch in Gefängnis erfüllt er seinen Auftrag. Wir dagegen lassen uns oft von Umständen und äußeren Bedingungen bestimmen. Warum bin ich gerade hier, wo ich bin? Was hat das mit meiner Berufung, meinem Lebensauftrag zu tun? Bemerkenswert ist dabei das Stichwort „Wachsamkeit“. Paulus fordert damit dazu auf, an die zu denken, die zur Gemeinde gehören und für sie einzutreten. Aber nicht, damit alle glücklich sind, sondern damit sie ihre Berufung leben können, ihrem Auftrag gerecht werden können. Wer fällt mir ein, wenn ich an die Menschen denke, mit denen ich verbunden bin? Wer kämpft gerade besonders mit seinem Lebensauftrag?

27.Juni Epheser 6, 10 – 17


Nun noch ein Letztes: Lasst euch vom Herrn Kraft geben, lasst euch stärken durch seine gewaltige Macht! Legt die Rüstung an, die Gott für euch bereithält; ergreift alle seine Waffen! Damit werdet ihr in der Lage sein, den heimtückischen Angriffen des Teufels standzuhalten. Denn unser Kampf richtet sich nicht gegen Wesen von Fleisch und Blut, sondern gegen die Mächte und Gewalten der Finsternis, die über die Erde herrschen, gegen das Heer der Geister in der unsichtbaren Welt, die hinter allem Bösen stehen. Deshalb greift zu allen Waffen, die Gott für euch bereithält! Wenn dann der Tag kommt, an dem die Mächte des Bösen angreifen, seid ihr gerüstet und könnt euch ihnen entgegenstellen. Ihr werdet erfolgreich kämpfen und am Ende als Sieger dastehen. Stellt euch also entschlossen zum Kampf auf! Bindet den Gürtel der Wahrheit um eure Hüften, legt den Brustpanzer der Gerechtigkeit an und tragt an den Füßen das Schuhwerk der Bereitschaft, das Evangelium des Friedens zu verbreiten. Zusätzlich zu all dem ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr jeden Brandpfeil unschädlich machen könnt, den der Böse gegen euch abschießt. Setzt den Helm der Rettung auf und greift zu dem Schwert, das der Heilige Geist euch gibt; dieses Schwert ist das Wort Gottes.

Ein ziemlich martialisches Bild – das Leben als geistlicher Kampf. Zunächst: Die Mächte des Bösen sind eine reale Bedrohung. In unserer Lebenswelt geht es äußerlich recht friedlich zu, aber es geht ja auch nicht um äußere Bedrohung, Verfolgung oder Benachteiligung. Es gibt diese reale geistige Welt, schädliche Ideen und Weltanschauungen, die Menschen zum Bösen verleiten. Es gibt Fake-News, Verschwörungstheorien und politische Ideologien, die zum Kampf Mensch gegen Mensch führen - siehe die aktuelle Lage! . Lügen, die Menschen vergiften und ihr Zusammenleben gefährlich machen. Gegen all das wird hier zum Kampf aufgerufen. Die genannten Waffen sind bis auf eine Verteidigungswaffen: Gürtel der Wahrheit, Panzer der Gerechtigkeit, Schuhwerk der Bereitschaft, zu gehen, Schild des Glaubens, Helm der Rettung. Allein das Schwert ist Angriffswaffe: Angegriffen wird hier nur mit dem Wort – so wie Jesus bei den Versuchungsgeschichten nur mit Bibelzitaten antwortet. Das Evangelium des Friedens gehört mitten unter die Feinde. Aus den Bildern greife ich eines heraus: Den Schild des Glaubens. Brandpfeile wirken, indem sich das Feuer am Körper ausbreitet, bis der ganze Kämpfer in Flammen steht. Gedanken können wie Brandpfeile wirken, Zweifel können sich ausbreiten und uns völlig einhüllen und zerstören. Der Schild des Glaubens setzt dem eine Glaubensaussage entgegen: „Ich glaube trotzdem, dass Gott mir helfen wird.“ „Ich weiß dennoch, dass mein Erlöser lebt!“ So werden Zweifel aufgefangen, ehe sie sich in meinem Geist ausbreiten. Kenne ich solche Kämpfe? Wie sieht mein „Schild des Glaubens“ aus?


26.Juni Epheser 6, 5 – 9

Ihr Sklaven, gehorcht euren irdischen Herren! Dient ihnen mit ehrerbietigem Respekt und aufrichtigem Herzen, als wäre es Christus selbst, dem ihr gehorcht. Arbeitet nicht nur, wenn man euch dabei beobachtet – als ginge es darum, Menschen zu gefallen. Macht euch vielmehr bewusst, dass ihr Sklaven von Christus seid, und tut mit ganzer Hingabe das, was Gott von euch möchte. Erfüllt eure Aufgaben bereitwillig und mit Freude, denn letztlich dient ihr nicht Menschen, sondern dem Herrn. Ihr könnt sicher sein, dass jeder, der Gutes tut, vom Herrn dafür belohnt wird, ob es sich nun um einen Sklaven handelt oder um einen freien Menschen. Und ihr Herren, behandelt eure Sklaven nach denselben Grundsätzen. Versucht nicht, sie mit Drohungen einzuschüchtern. Denkt daran, dass es einen gibt, der sowohl ihr Herr ist als auch euer Herr. Er ist im Himmel, und er ist ein unbestechlicher Richter.

Warum entwickelt die junge Gemeinde Jesu kein neues und revolutionäres Gesellschaftsmodell? Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer ist, dass in der Erwartung des nahen Endes die umgebende Gesellschaft als vergehende Ordnung gesehen wurde. Warum sie also noch ändern wollen? Der zweite -und für uns wichtigere – ist die Überzeugung, dass die jeweilige Stellung im Leben nicht zufällig ist, sondern von Gott gegeben. „Gott will, dass du Sklave bist“ ist ein harter Satz. Aber der Sklave ist zuerst Sklave Christi und versteht sein Sklavendasein als Gottesdienst. Das gibt ihm selbst eine Würde, die ihn seinem Herrn gleichstellt – beide sind sie Sklaven Christi. Und der Herr des Sklaven wird ermahnt, nach denselben christlichen Grundsätzen zu handeln. Damit wird die normale Ordnung dem höheren Prinzip der Liebe unterstellt und darin liegt der Keim ihrer letztendlichen Verwandlung. Auf diese musste die Welt allerdings 1800 Jahre (!) warten. Es war William Wilberforce, der 1833 in England die Befreiung der Sklaven erreichte. „Mir erschien die Verderbtheit des Sklavenhandels so enorm, so furchtbar und nicht wiedergutzumachen, dass ich mich uneingeschränkt für die Abschaffung entschieden habe. Mögen die Konsequenzen sein, wie sie wollen, ich habe für mich beschlossen, dass ich keine Ruhe geben werde, bis ich die Abschaffung des Sklavenhandels durchgesetzt habe.“ Eine Weisung der Bibel, die in einer historischen Situation richtig sein kann, wird in einer veränderten Situation unter Umständen falsch. Wir müssen immer wieder neu überlegen, was jetzt der Liebe entspricht. Migration, Seenotrettung, Globalisierung und Welthandel sind unsere Themen – was will Gott heute von uns?

25.Juni : Epheser 6, 1 - 4


Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern! So möchte es der Herr, dem ihr gehört; so ist es gut und richtig. »Ehre deinen Vater und deine Mutter!« – das ist das erste Gebot, das mit einer Zusage verbunden ist, mit der Zusage: »Dann wird es dir gut gehen, und du wirst lange auf dieser Erde leben.« Und ihr Väter, verhaltet euch euren Kindern gegenüber so, dass sie keinen Grund haben, sich gegen euch aufzulehnen; erzieht sie mit der nötigen Zurechtweisung und Ermahnung, wie der Herr es tut.

Wie soll es in einer christlichen Familie zugehen? Gehorsam ist nicht gerade ein Modewort in unserer Zeit. Warum Gehorsam? Ich anerkenne als Kind damit die größere Verantwortung und den weiteren Blick meiner Eltern. Zu Gehorsam gehört damit Vertrauen: „Ich verstehe das jetzt nicht, aber ich folge dieser Anweisung, weil ich weiß, dass du dich um den richtigen Weg bemühst.“ Das mag nicht automatisch für alles gelten, aber eine völlig respektlose Ablehnung jeglicher Weisungen führt zu genau den Verhaltensweisen, die uns in der Gesellschaft zurzeit Sorge bereiten – in Schule, gegenüber der Polizei, in der Politik.
Das genannte Gebot meint im ursprünglichen Zusammenhang die Versorgung der Eltern, also die lebenslange Verbundenheit und Verantwortung der Kinder. Sie zerbricht, wo Väter oder Mütter ihre Kinder mit Härte und Lieblosigkeit behandeln. Die Kinder werden es ihnen „heimzahlen“, ein treffendes Wort! Wir sollen mit unseren Kindern so umgehen, wie Gott mit uns umgeht. Falls unsere Eltern uns nicht gut behandelt haben – wir haben die Möglichkeit, so den Teufelskreis des Heimzahlens zu durchbrechen. Wie sehe ich heute meine Eltern?

24.Juni Epheser 5, 21 – 33


Ordnet euch einander unter; tut es aus Ehrfurcht vor Christus! Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter! Ihr zeigt damit, dass ihr euch dem Herrn unterordnet. Denn der Mann ist das Haupt der Frau, genauso wie Christus das Haupt der Gemeinde ist – er, der sie errettet und zu seinem Leib gemacht hat. Und wie die Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern in allem unterordnen. Und ihr Männer, liebt eure Frauen! Liebt sie so, wie Christus die Gemeinde geliebt hat: Er hat sein Leben für sie hingegeben, um sie zu seinem heiligen Volk zu machen. Durch sein Wort hat er den Schmutz ihrer Verfehlungen wie in einem reinigenden Bad von ihr abgewaschen. Denn er möchte sie zu einer Braut von makelloser Schönheit machen, die heilig und untadelig und ohne Flecken und Runzeln oder irgendeine andere Unvollkommenheit vor ihn treten kann. Genauso sind nun auch die Männer verpflichtet, ihre Frauen zu lieben und ihnen Gutes zu tun, so wie sie ihrem eigenen Körper Gutes tun. Ein Mann, der seine Frau liebt und ihr Gutes tut, tut sich damit selbst etwas Gutes. Schließlich hat noch nie jemand seinen eigenen Körper gehasst; vielmehr versorgen wir unseren Körper mit Nahrung und pflegen ihn, genau wie Christus es mit der Gemeinde macht – mit seinem Leib, dessen Glieder wir sind. »Deshalb«, so heißt es in der Schrift, »wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und sich mit seiner Frau verbinden, und die zwei werden ein Leib sein.« Hinter diesen Worten verbirgt sich ein tiefes Geheimnis. Ich bin überzeugt, dass hier von Christus und der Gemeinde die Rede ist. Doch die Aussage betrifft auch jeden von euch ganz persönlich: Jeder soll seine Frau so lieben, wie er sich selbst liebt, und die Frau soll ihrem Mann mit Ehrerbietung begegnen.

Das ist ein merkwürdiger Text, der in Teilen der damals vorherrschenden Gesellschaftsordnung entspricht. Dabei beginnt er hoffnungsvoll: „Ordnet euch einander unter!“, steht da. Doch dieses „einander“ kommt im Folgenden nicht mehr vor. Die Frau soll sich unterordnen, der Mann sie lieben. Diese Liebe soll in ihrer Qualität der Liebe Christi für die Gemeinde entsprechen. Männer sollen ihr Leben für ihre Frau hingeben. Ihre Liebe soll die Frau heiligen, reinigen und helfen, ihr Leben zu entfalten. Das ist vom Mann her gesehen eine gute Sache. Doch nicht von der Frau her: Sie soll sich unterordnen und hat nicht die Aufgabe, dem Mann in gleicher Weise zu helfen. Wäre er doch seinem ersten Satz gefolgt! Eine Ehe oder Freundschaft gedeiht für beide, wenn in ihr gegenseitige Unterordnung stattfindet. Wenn wir uns wechselseitig zu Helfern werden. So bleibt als Fazit hier: Wenn wir miteinander umgehen, wie Christus mit der Gemeinde umgeht, wenn es gegenseitige Ehrerbietung gibt, kann die Beziehung gelingen. Liebt einander, wie ihr euch selbst liebt. 


23.Juni Epheser 5, 15 – 20

Gebt also sorgfältig darauf acht, wie ihr lebt! Verhaltet euch nicht wie unverständige Leute, sondern verhaltet euch klug. Macht den bestmöglichen Gebrauch von eurer Zeit, gerade weil wir in einer schlimmen Zeit leben. Lasst es daher nicht an der nötigen Einsicht fehlen, sondern lernt zu verstehen, was der Herr von euch möchte. Und trinkt euch keinen Rausch an, denn übermäßiger Weingenuss führt zu zügellosem Verhalten. Lasst euch vielmehr vom Geist Gottes erfüllen. Ermutigt einander mit Psalmen, Lobgesängen und von Gottes Geist eingegebenen Liedern; singt und jubelt aus tiefstem Herzen zur Ehre des Herrn und dankt Gott, dem Vater, immer und für alles im Namen von Jesus Christus, unserem Herrn.

Geist Gottes gegen Weingeist! Warum fällt mir hier der Engel Aloysius ein, der im Himmel mit dem vielen Halleluja nicht zurechtkommt? Weil solche Verse oft zu einem „frommen“ Leben abseits „weltlicher Freuden“ geführt haben. Hat Paulus das so gemeint? Was ist denn klug, wenn ich meinen Tagesablauf ansehe? Ich denke, es geht hier nicht um ein moralinsaures Leben abseits der ganz normalen Freuden des Lebens. Und auch der Hinweis auf den „bestmöglichen Gebrauch der Zeit“ soll mich nicht in frommen Stress bringen. Was dann? Ich finde es nachträglich ärgerlich, wenn ich zu viel Wein getrunken habe und einen Tag mit schwerem Kopf erlebe. Ich ärgere mich, wenn ich Stunden mit einem sinnfreien Computerspiel verbracht habe und danach erschöpft bin. Es tut mir nicht gut, wenn ich durch Hunderte von Seiten surfe und am Ende doch nichts behalten habe. Klug sein, das heißt, die Balance finden zwischen Arbeit und Spiel, Ausruhen und Gebet, fröhlichen Liedern und Anbetungssongs. Zur Ehre Gottes kann ich Psalmen singen – aber auch folk songs. Und da steht ja auch: Dankt Gott für alles! Alles, was mir und anderen gut tut, kann ich mit Dank genießen. Werdet Genießer des Lebens! 


22.Juni Epheser 5, 9 - 14

Ihr wisst doch: Die Frucht, die vom Licht hervorgebracht wird, besteht in allem, was gut, gerecht und wahr ist. Deshalb überlegt bei dem, was ihr tut, ob es dem Herrn gefällt. Und beteiligt euch unter keinen Umständen an irgendeinem Tun, das der Finsternis entstammt und daher keine guten Früchte hervorbringt. Deckt solches Tun vielmehr auf! Denn was manche im Verborgenen treiben, ist so abscheulich, dass man sich schämt, es auch nur zu erwähnen. Doch alles, was aufgedeckt wird, ist dann im Licht als das sichtbar, was es wirklich ist. Mehr noch: Alles, was sichtbar geworden ist, gehört damit zum Licht. Deshalb heißt es auch: »Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten! Dann wird Christus sein Licht über dir leuchten lassen.«

Man fühlt sich ein wenig an die „Filter des Sokrates“ erinnert: Ist das, was ich über jemanden sagen will, wahr, gut und notwendig? Ist mein Handeln gerecht? Von Wahrheit geprägt? Heute sprechen wir eher von „Integrität“. Das ist laut Wikipedia „die fortwährend aufrechterhaltene Übereinstimmung des persönlichen Wertesystems und der persönlichen Ideale mit dem eigenen Reden und Handeln.“ Das klingt anstrengend, nicht wahr? Um dahin zu kommen, kann man sich die Frage stellen, ob ich zu meinem privat praktizierten Verhalten und Handeln auch öffentlich stehen könnte. „Es wird im Licht als das sichtbar, was es wirklich ist.“ Hätten sich Priester daran gehalten, gäbe es keine Missbrauchsfälle. Aber es geht ja auch um mich: Kann ich dazu stehen, dass ich Stunden mit Computerspielen verbringe? Kann ich anderen erzählen, dass ich immer wieder Pornos schaue? Wäre es mir peinlich, wenn andere erführen, was ich meinen Mietern abverlange? Wie ich mein Geld verdiene? Wo bin ich in der Gefahr nicht integer zu leben? Warum?

21.Juni Epheser 5, 1 - 8


Nehmt euch daher Gott selbst zum Vorbild; ihr seid doch seine geliebten Kinder! Konkret heißt das: Alles, was ihr tut, soll von der Liebe bestimmt sein. Denn auch Christus hat uns seine Liebe erwiesen und hat sein Leben für uns hingegeben wie eine Opfergabe, deren Duft vom Altar zu Gott aufsteigt und an der er Freude hat. Auf sexuelle Unmoral und Schamlosigkeit jeder Art, aber auch auf Habgier sollt ihr euch nicht einmal mit Worten einlassen, denn es gehört sich nicht für Gottes heiliges Volk, sich mit solchen Dingen zu beschäftigen. Genauso wenig haben Obszönitäten, gottloses Geschwätz und anzügliche Witze etwas bei euch zu suchen. Bringt vielmehr bei allem, was ihr sagt, eure Dankbarkeit gegenüber Gott zum Ausdruck. Denn über eins müsst ihr euch im Klaren sein: Keiner, der ein unmoralisches Leben führt, sich schamlos verhält oder von Habgier getrieben ist (wer habgierig ist, ist ein Götzenanbeter!), hat ein Erbe im Reich von Christus und von Gott zu erwarten.
Lasst euch von niemand mit leeren Behauptungen täuschen! Denn gerade wegen der eben genannten Dinge bricht Gottes Zorn über die herein, die nicht bereit sind, ihm zu gehorchen. Darum hütet euch, mit solchen Leuten gemeinsame Sache zu machen! Früher gehörtet ihr selbst zur Finsternis, doch jetzt gehört ihr zum Licht, weil ihr mit dem Herrn verbunden seid. Verhaltet euch so, wie Menschen des Lichts sich verhalten.

„Liebe – und dann tue, was du willst!“ – so hat es Augustin, der Kirchenvater formuliert. Das wäre als Grundsatz genug, um sein Leben danach zu gestalten. Warum stehen dann hier doch noch recht konkrete Dinge? Vielleicht, weil die umgebende Gesellschaft damals keine solche Grenzen kannte. Paulus fokussiert das auf zwei Bereiche: Unmoral („porneia“) und Habgier. In beiden Bereichen geht es nicht nur um persönliches Verhalten – hier geht es auch um Gerechtigkeit. Im ersten Bereich durfte man sich zwar hemmungslos ausleben, die Frauen, die dazu bereit waren, galten aber als minderwertig. Sie wurden ausgebeutet und verachtet. Im zweiten Bereich ist es ähnlich: Wird der Habsucht Raum gegeben, werden Menschen ausgebeutet und in Armut zurückgelassen. Das alles ist heute kaum anders. Paulus ist hier so scharf, weil er weiß, wie schwer es für die Gemeinde ist, anders zu leben als die Gesellschaft. Heute haben wir in den Gemeinden zwar die Sexualmoral meist verinnerlicht, aber die Sache mit der Habgier wird weniger angesprochen. Wo sind die Christen, die einen persönlichen Mietendeckel praktizieren, statt zu nehmen „was geht“? Wer erhebt die Stimme gegen Aktien, an denen man gut verdient, die aber Rüstungsfirmen im Portfolio haben? Habgier ist Götzendienst. Jesus sagt: „Ihr könnt nicht zwei Herren dienen…!“ Wie gehe ich mit meinem Geld um? Kann ich da großzügig sein? 
 20.Juni   Epheser 4, 25 - 32

Darum legt alle Falschheit ab und haltet euch an die Wahrheit, wenn ihr miteinander redet. Wir sind doch Glieder ein und desselben Leibes! Wenn ihr zornig seid, dann versündigt euch nicht. Legt euren Zorn ab, bevor die Sonne untergeht. Gebt dem Teufel keinen Raum in eurem Leben! Wer bisher ein Dieb gewesen ist, soll aufhören zu stehlen und soll stattdessen einer nützlichen Beschäftigung nachgehen, bei der er seinen Lebensunterhalt mit Fleiß und Anstrengung durch eigene Arbeit verdient; dann kann er sogar noch denen etwas abgeben, die in Not sind. Kein böses Wort darf über eure Lippen kommen. Vielmehr soll das, was ihr sagt, gut, angemessen und hilfreich sein; dann werden eure Worte denen, an die sie gerichtet sind, wohltun. Und tut nichts, was Gottes heiligen Geist traurig macht! Denn der Heilige Geist ist das Siegel, das Gott euch im Hinblick auf den Tag der Erlösung aufgedrückt hat, um damit zu bestätigen, dass ihr sein Eigentum geworden seid. Bitterkeit, Aufbrausen, Zorn, wütendes Geschrei und verleumderisches Reden haben bei euch nichts verloren, genauso wenig wie irgendeine andere Form von Bosheit. Geht vielmehr freundlich miteinander um, seid mitfühlend und vergebt einander, so wie auch Gott euch durch Christus vergeben hat.

Aus unserem Sein ergibt sich ein neues Verhalten. Wir sind alle Glieder am Leib Christi, uns ist viel vergeben worden, wir haben Gottes Geist wie ein Siegel aufgedrückt bekommen. Doch das neue Verhalten ergibt sich nicht automatisch – dazu ist ein Entschluss nötig. Ich denke an meinen Großvater, der ein oft unbeherrschter und zorniger Mann war. Aber er hatte einen Grundsatz, den er mir mitgeteilt hat: Er habe nie die Sonne über seinem Zorn untergehen lassen und sich noch am Abend mit seiner Frau versöhnt. Das heißt: Wir können aufgrund unserer Erkenntnis von richtig und falsch Entschlüsse fassen. Zum Beispiel: Nichts Böses oder Hässliches zu jemanden sagen. „Ich werde lieber schweigen!“ Wir können jemand tausend gute Worte sagen – aber ein böses wirkt noch Jahre nach! Gottes Liebe gilt mir trotz meiner Fehler und Schattenseiten – wer das wirklich weiß, der kann auch mit anderen freundlich umgehen. Frage: Wer nervt mich heute besonders?


19.Juni   Epheser 4, 17 – 24

Aus all diesen Gründen fordere ich euch im Namen des Herrn mit Nachdruck auf, nicht länger wie die Menschen zu leben, die Gott nicht kennen. Ihre Gedanken sind auf nichtige Dinge gerichtet, ihr Verstand ist wie mit Blindheit geschlagen, und sie haben keinen Anteil an dem Leben, das Gott schenkt. Denn in ihrem tiefsten Inneren herrscht eine Unwissenheit, die daher kommt, dass sich ihr Herz gegenüber Gott verschlossen hat. Das Gewissen dieser Menschen ist abgestumpft; sie haben sich der Ausschweifung hingegeben und beschäftigen sich voller Gier mit jedem erdenklichen Schmutz. Ihr aber habt bei Christus etwas anderes gelernt! Oder habt ihr seine Botschaft etwa nicht gehört? Seid ihr etwa nicht in seiner Lehre unterrichtet worden, in der Wahrheit, wie sie in Jesus zu uns gekommen ist? Dann wurdet ihr aber auch gelehrt, nicht mehr so weiterzuleben, wie ihr bis dahin gelebt habt, sondern den alten Menschen abzulegen, der seinen trügerischen Begierden nachgibt und sich damit selbst ins Verderben stürzt. Und ihr wurdet gelehrt, euch in eurem Geist und in eurem Denken erneuern zu lassen und den neuen Menschen anzuziehen, der nach Gottes Bild erschaffen ist und dessen Kennzeichen Gerechtigkeit und Heiligkeit sind, die sich auf die Wahrheit gründen.

Wieder werden hier altes und neues Leben gegenübergestellt. Ist es denn wirklich so schlimm bestellt mit dem Leben der „Heiden“? Abgestumpft, ausschweifend, Gier, trügerische Begierden, Schmutz – Paulus hat da eine Gesellschaft vor Augen, die keine Grenzen kennt und keine Werte beachtet. Folgt man dieser Linie, so gerät man in ein einfaches Schwarz-Weiß-Denken: Wir, die Guten und sie, die Schlechten, Verworfenen. Neue Menschen und alte Menschen. Und wir wissen, dass es nicht so einfach ist! Paulus hat Menschen vor Augen, die sich nur ihren Begierden hingeben, grausam sind und Böses tun. In seiner Situation im Gefängnis leidet er besonders unter solch brutalen Menschen. Ja, es gibt solche Menschen auch in unserer Umgebung. Andererseits aber wissen wir, dass wir mit unserem neuen Menschsein immer noch im Kampf mit unseren alten Anteilen stehen. Zieht den neuen Menschen an! Diese Aufforderung bewahrt vor Überheblichkeit: Wir sind noch nicht im Stand von unangefochtener Heiligkeit. Worin erlebe ich mich als „neuer Mensch“ – und worin als „alter“?

18.Juni  Epheser 4, 13 – 16


Das soll dazu führen, dass wir alle in unserem Glauben und in unserer Kenntnis von Gottes Sohn zur vollen Einheit gelangen und dass wir eine Reife erreichen, deren Maßstab Christus selbst ist in seiner ganzen Fülle. Denn wir sollen keine unmündigen Kinder mehr sein; wir dürfen uns nicht mehr durch jede beliebige Lehre vom Kurs abbringen lassen wie ein Schiff, das von Wind und Wellen hin und her geworfen wird, und dürfen nicht mehr auf die Täuschungsmanöver betrügerischer Menschen hereinfallen, die uns mit ihrem falschen Spiel in die Irre führen wollen. Stattdessen sollen wir in einem Geist der Liebe an der Wahrheit festhalten, damit wir im Glauben wachsen und in jeder Hinsicht mehr und mehr dem ähnlich werden, der das Haupt ist, Christus. Ihm verdankt der Leib sein gesamtes Wachstum. Mit Hilfe all der verschiedenen Gelenke ist er zusammengefügt, durch sie wird er zusammengehalten und gestützt, und jeder einzelne Körperteil leistet seinen Beitrag entsprechend der ihm zugewiesenen Aufgabe. So wächst der Leib heran und wird durch die Liebe aufgebaut.

Christus ähnlicher werden – das ist das Ziel, das Paulus seiner Gemeinde vorgibt. Wir sollen selbst zu mündigen Menschen werden, die beurteilen können, ob eine Lehre der Wahrheit entspricht. Das ist ein hoher Anspruch, doch Paulus vertraut darauf, dass Gottes Geist in den einzelnen Menschen die Wahrheit hervorbringt. Das war die gemeinsame Überzeugung der ersten Christen. (Joh. 16,13: der Geist der Wahrheit, wird euch zum vollen Verständnis der Wahrheit führen.). Die Ämter in der Gemeinde werden nicht hervorgehoben, um die Christen unmündig zu machen, sondern um ihnen zu helfen, mündig zu werden. Eine Kirche oder Gemeinde, die das nicht zum Ziel hat, droht zu einer Sekte zu werden. Es ist allerdings bequem, einem Leiter oder einem Apostel zu folgen, anstatt selbst zu denken und zu forschen, „ob es sich so verhält“. Bilde ich mir selbst eine Meinung? Denke ich über die Wahrheit des Evangeliums nach und streite darum, wenn nötig?  Der Geist Gottes leitet jeden von uns - das ist eine Verheißung! 

 17.Juni  Epheser 4, 7 – 12

Jedem Einzelnen von uns hat Christus einen Anteil an den Gaben gegeben, die er in seiner Gnade schenkt; jedem hat er seine Gnade in einem bestimmten Maß zugeteilt. Darum heißt es in der Schrift: »Als er im Triumphzug zur Höhe hinaufstieg, hat er Gefangene mit sich geführt und Geschenke an die Menschen verteilt.« Wenn hier steht: »Er ist hinaufgestiegen«, dann muss er doch zunächst einmal hinuntergestiegen sein – hinunter bis in die tiefsten Tiefen der Erde. Und er, der hinuntergestiegen ist, ist dann auch wieder hinaufgestiegen bis über den höchsten aller Himmel, um so das ganze Universum mit seiner Gegenwart zu erfüllen. Er ist es nun auch, der der Gemeinde Gaben geschenkt hat: Er hat ihr die Apostel gegeben, die Propheten, die Evangelisten, die Hirten und Lehrer. Sie haben die Aufgabe, diejenigen, die zu Gottes heiligem Volk gehören, für ihren Dienst auszurüsten, damit die Gemeinde, der Leib von Christus, aufgebaut wird.

Paulus verwendet hier ein altes Bild aus Psalm 68, in dem Gott selbst herauffährt. Hier dient es ihm dazu, die Aussage, dass Christus gesiegt hat, zu unterstreichen. Das Ergebnis dieses Sieges über gottfeindliche Mächte ist für uns, dass Er uns Gaben verliehen hat - in Umkehrung der Aussage in Psalm 68, in dem die Menschen Gott Gaben geben. Jeder und jede hat Anteil an den „Gnadengaben“, den Charismen die Gott verleiht – aber in unterschiedlichem Maße. Die Gemeinde braucht verschiedene Gaben und Begabungen zu ihrem Aufbau. Nicht jeder hat eine dieser fünf „Hauptgaben“, die entsprechende Ämter begründen. Du hast deine Gabe in einem bestimmten Maße – und es ist Gottes Entscheidung, wie viel dir zugeteilt ist. Es ist nicht empfehlenswert, nach mehr zu streben. Durch angemaßte Gaben entsteht viel Unheil in Gruppen und Gemeinden. Es ist wichtig, herauszufinden, welche Gabe ich habe und welche nicht. Dabei gibt es keine Rangordnung in der Anerkennung vor Gott. „Wer unter euch groß sein will, der sei euer aller Diener“, hat Jesus gesagt. Strebe nie nach Gaben und Ämtern, die dir nicht gegeben sind. Aber verleugne keine Gabe, die du offenbar hast. Welche Gaben sind dir gegeben?


16.Juni  Epheser 4, 1 – 6


Als einer, der für sein Bekenntnis zum Herrn im Gefängnis ist, bitte ich euch nun: Denkt daran, dass Gott euch zum Glauben gerufen hat, und führt ein Leben, das dieser Berufung würdig ist! Keiner soll sich über den anderen erheben. Seid vielmehr allen gegenüber freundlich und geduldig und geht nachsichtig und liebevoll miteinander um. Setzt alles daran, die Einheit zu bewahren, die Gottes Geist euch geschenkt hat; sein Frieden ist das Band, das euch zusammenhält. Mit »Einheit« meine ich dies: ein Leib, ein Geist und genauso auch eine Hoffnung, die euch gegeben wurde, als Gottes Ruf an euch erging; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater von uns allen, der über alle regiert, durch alle wirkt und in allen lebt.


Ein Leben, das der Berufung würdig ist! Paulus hat ziemlich genaue Vorstellungen, wie das aussieht. Allen gegenüber freundlich und geduldig! Nachsichtig und liebevoll. Ist das denn möglich? Ja, würde Paulus sagen, wenn ihr euch bewusst macht, wie Gott euch behandelt, dass er voller Güte und Barmherzigkeit ist, obwohl ihr es nicht verdient habt. Aus der erfahrenen Liebe und Güte Gottes quillt die Liebe und Güte anderen gegenüber. Dabei weiß auch Paulus: Die Einheit unter Christen ist ein Geschenk, aber dieses Geschenk muss bewahrt werden. Er nennt hier Basisdinge, den Grundbestand des Glaubens – alles andere sind Nebensachen, die man so oder so sehen kann. Wie oft haben Christen über solche „Nebendinge" gestritten! Wenn ich bedenke, dass Gott auch in meinem Gegenüber lebt, der anders glaubt als ich, dann wird Vieles unwichtig! Mit wem liege ich warum im Streit? Ist es wesentlich?


15.Juni  Epheser 3, 14 – 21


Noch einmal: Wenn ich mir das alles vor Augen halte, kann ich nicht anders, als anbetend vor dem Vater niederzuknien. Er, dem jede Familie im Himmel und auf der Erde ihr Dasein verdankt und der unerschöpflich reich ist an Macht und Herrlichkeit, gebe euch durch seinen Geist innere Kraft und Stärke. Es ist mein Gebet, dass Christus aufgrund des Glaubens in euren Herzen wohnt und dass euer Leben in der Liebe verwurzelt und auf das Fundament der Liebe gegründet ist. Das wird euch dazu befähigen, zusammen mit allen anderen, die zu Gottes heiligem Volk gehören, die Liebe Christi in allen ihren Dimensionen zu erfassen – in ihrer Breite, in ihrer Länge, in ihrer Höhe und in ihrer Tiefe. Ja, ich bete darum, dass ihr seine Liebe versteht, die doch weit über alles Verstehen hinausreicht, und dass ihr auf diese Weise mehr und mehr mit der ganzen Fülle des Lebens erfüllt werdet, das bei Gott zu finden ist. Ihm, der mit seiner unerschöpflichen Kraft in uns am Werk ist und unendlich viel mehr zu tun vermag, als wir erbitten oder begreifen können, ihm gebührt durch Jesus Christus die Ehre in der Gemeinde von Generation zu Generation und für immer und ewig. Amen.

Seine Liebe verstehen! Das ist für Paulus der Schlüssel zur ganzen Fülle des Lebens. Wie fest ist mein Leben auf dem „Fundament der Liebe“ gegründet? Die Liebe Gottes gilt allen Menschen, nicht nur den gläubigen, nicht nur den rechtschaffenen, den guten, den gerechten Menschen. Ausnahmslos allen! In welcher Dimension habe ich meine Stärken, in welcher Nachholbedarf? Länge, Breite, Höhe, Tiefe - welche Bereiche meines Lebens sind heir angesprochen? Und wie spüre ich, ob mein Leben in der Liebe verwurzelt ist? Es ist wie bei einem Baum: Ob seine Wurzeln tief genug sind, offenbart sich im Sturm. Wenn mich Menschen ärgern, mir schaden, mich nerven oder mich arg verletzen – dann merke ich, ob die Wurzeln meiner Liebe tief reichen. Die Liebe Gottes zu verstehen, bedeutet, zu verstehen, dass ich geliebt bin - so wie ich bin, mit all meinen Schattenseiten und Fehlern. Ich bin Gottes geliebter Sohn - du bist Gottes geliebte Tochter! 


14.Juni  Epheser 3, 7 – 13

Dass ich ein Diener dieser Botschaft geworden bin, ist ein Geschenk der Gnade Gottes; ich verdanke es seiner Macht, die in meinem Leben wirksam geworden ist. Mir, dem Allergeringsten von allen, die zu Gottes heiligem Volk gehören, hat Gott in seiner Gnade den Auftrag gegeben, den nichtjüdischen Völkern zu verkünden, was für ein unermesslich großer Reichtum uns in der Person von Christus geschenkt ist. Es ist mein Auftrag, allen Menschen die Augen dafür zu öffnen, wie der Plan verwirklicht wird, den Gott, der Schöpfer des Universums, vor aller Zeit gefasst hatte. Bisher war dieser Plan ein in Gott selbst verborgenes Geheimnis, doch jetzt sollen die Mächte und Gewalten in der unsichtbaren Welt durch die Gemeinde die ganze Tiefe und Weite von Gottes Weisheit erkennen. Genauso hatte Gott es sich vor aller Zeit vorgenommen, und dieses Vorhaben hat er nun durch Jesus Christus, unseren Herrn, in die Tat umgesetzt. Durch ihn haben wir alle, die wir an ihn glauben, freien Zutritt zu Gott und dürfen zuversichtlich und vertrauensvoll zu ihm kommen. Daher bitte ich euch: Lasst euch von den Nöten, die ich durchmache, nicht entmutigen! Ich erleide das alles ja für euch; es trägt dazu bei, dass ihr Anteil an Gottes Herrlichkeit bekommt.

Freier Zutritt zu Gott für alle! Nicht nur für gesetzestreue Juden, nicht nur für Heiden, die die Mühen des Gesetzes auf sich nehmen – für alle durch Jesus Christus. Darin erkennt Paulus eine Tiefe Absicht Gottes. Denn es kann ja nicht sein, dass die Zuwendung Gottes auf Dauer nur einem Volk gilt. Schon die Propheten haben geahnt: Alle Völker werden zum Zion, dem Berg Gottes ziehen und Ihn anbeten. Davon ist Paulus so erfüllt, dass er eine enorme Widerstandskraft gewinnt. Wir brauchen, um Resilienz zu entwickeln, die „größere Geschichte“, die über uns hinausweist. Wenn wir nur unserer „kleine Geschichte“ haben und glauben, werden wir den Stürmen des Lebens wenig entgegenzusetzen haben. Aber es ist nicht gleich, welche Geschichte das ist. Paulus ist überzeugt: Das ist die wahre Geschichte, das Geheimnis Gottes, das Ziel der Menschen. Und was glaube ich?


13.Juni  Epheser 3, 2 – 6

Denn dass ich, Paulus, für mein Bekenntnis zu Jesus Christus im Gefängnis bin, kommt euch zugute, die ihr nicht zum jüdischen Volk gehört. Oder habt ihr etwa nicht von dem Plan gehört, den Gott im Hinblick auf euch gefasst und dessen Durchführung er mir in seiner Gnade anvertraut hat? Es handelt sich bei diesem Plan um ein Geheimnis, dessen Inhalt Gott mir durch eine Offenbarung enthüllt hat; ich habe weiter oben schon kurz davon geschrieben. Beim Lesen dieses Briefes könnt ihr erkennen, dass ich weiß, wovon ich rede, wenn ich vom Geheimnis Christi spreche. Den Menschen früherer Generationen hatte Gott keinen Einblick in dieses Geheimnis gegeben, doch jetzt hat er es den von ihm erwählten Aposteln und Propheten durch seinen Geist offenbart. Die Nichtjuden – darin besteht dieses Geheimnis – sind zusammen mit den Juden Erben, bilden zusammen mit ihnen einen Leib und haben zusammen mit ihnen teil an dem, was Gott seinem Volk zugesagt hat. Das alles ist durch Jesus Christus und mit Hilfe des Evangeliums Wirklichkeit geworden.

Man muss sich das einen Moment vorstellen: Paulus sitzt im Gefängnis und weiß nicht, wie diese Sache für ihn ausgeht. Aber darüber schreibt er kein Wort. Ganz im Gegenteil, er schreibt über seine große Vision, die ihn antreibt. Er ist so ergriffen davon, dass er gar nicht anders kann. Das „Geheimnis Christi“ ist, dass nun, nach zwei Jahrtausenden jüdischer Religion, sich die Botschaft Gottes in die Völker hinein öffnet. Die Heiden haben Teil an all dem, was Gott seinem Volk zugesagt hat. Wir sind mit hineingenommen in den Bund Gottes mit seinem Volk. Paulus sieht hier eine gewaltige Mission, die die Welt verändern wird. Die persönliche Lage ist dem gegenüber unwichtig. Es ist Wirklichkeit geworden, sagt der Gefangene. Wirklich? Es gibt ein paar Sklavengemeinden, die recht und schlecht ihr christliches Leben gestalten, einige der Apostel sind hingerichtet worden, andere verschollen. Paulus ist trotzdem überzeugt von der Richtigkeit seiner Vision. Welche Vorstellungen habe ich über die Zukunft unseres Christentums? Unserer Kirchen? Stimme ich in das allgemeine Gejammer ein? Und vor allem: Welche Vision von Gottes Handeln in der Welt trägt mich? Die Mission der Liebe Gottes ist noch nicht am Ende. Eine klare Vorstellung über die Pläne Gottes kann mich beflügeln – so wie Paulus hier im Gefängnis.

12.Juni  Epheser 2, 18 – 3,1

Denn dank Jesus Christus haben wir alle – Juden wie Nichtjuden – durch ein und denselben Geist freien Zutritt zum Vater. Ihr seid jetzt also nicht länger Fremde ohne Bürgerrecht, sondern seid – zusammen mit allen anderen, die zu seinem heiligen Volk gehören – Bürger des Himmels; ihr gehört zu Gottes Haus, zu Gottes Familie. Das Fundament des Hauses, in das ihr eingefügt seid, sind die Apostel und Propheten, und der Eckstein dieses Gebäudes ist Jesus Christus selbst. Er hält den ganzen Bau zusammen; durch ihn wächst er und wird ein heiliger, dem Herrn geweihter Tempel. Durch Christus seid auch ihr in dieses Bauwerk eingefügt, in dem Gott durch seinen Geist wohnt. Wenn ich mir das alles vor Augen halte, kann ich nicht anders, als vor Gott niederzuknien und ihn anzubeten.
Freier Zutritt! Paulus malt uns einen Tempel vor Augen, zu dem wir freien Zutritt haben. Ich erinnere mich an den Karfreitagsbericht: Der Vorhang im Tempel zerreißt. Der Weg ins Allerheiligste ist offen. Wir brauchen keine komplizierten Opferriten mehr, keine Priester als Vermittler, wir sind Bürger des Himmels und gehören zur Familie. Fremde ohne Bürgerrecht waren damals alle, die nicht zu Rom gehörten, vor allem eroberte und versklavte Völker. Das römische Bürgerrecht war ein begehrtes Gut. Man konnte als Bürger Roms im Streitfall sogar an den Kaiser appellieren, um von ihm gehört zu werden. Dieses Bild macht deutlich: Es ist ein Privileg, zu Christus zu gehören und freien Zugang zu Gott zu haben. Welche Bedeutung hat das für mich? Ändert es etwas in meinem Leben? In meiner Einstellung zu mir selbst, zu anderen und zu dieser Welt? Du bist Sohn, du bist Tochter Gottes! Wie klingt das für mich?

11.Juni  Epheser 2, 13 – 17

Doch das alles ist durch Jesus Christus Vergangenheit. Weil Christus sein Blut für euch vergossen hat, seid ihr jetzt nicht mehr fern von Gott, sondern habt das Vorrecht, in seiner Nähe zu sein. Ja, Christus selbst ist unser Frieden. Er hat die Zweiteilung überwunden und hat aus Juden und Nichtjuden eine Einheit gemacht. Er hat die Mauer niedergerissen, die zwischen ihnen stand, und hat ihre Feindschaft beendet. Denn durch die Hingabe seines eigenen Lebens hat er das Gesetz mit seinen zahlreichen Geboten und Anordnungen außer Kraft gesetzt. Sein Ziel war es, Juden und Nichtjuden durch die Verbindung mit ihm selbst zu einem neuen Menschen zu machen und auf diese Weise Frieden zu schaffen. Dadurch, dass er am Kreuz starb, hat er sowohl Juden als auch Nichtjuden mit Gott versöhnt und zu einem einzigen Leib, der Gemeinde, zusammengefügt; durch seinen eigenen Tod hat er die Feindschaft getötet. Er ist in diese Welt gekommen und hat Frieden verkündet – Frieden für euch, die ihr fern von Gott wart, und Frieden für die, die das Vorrecht hatten, in seiner Nähe zu sein.

Die christliche Gemeinde ist ein Friedensprojekt. Durch Christus sind wir „neue Menschen“, für die die Unterschiede, die durch religiöse Gesetze bestanden, nicht mehr gelten. Aber auch die Unterschiede, die Menschen aufgrund von Rasse, Klassenzugehörigkeit oder Kultur machen, gelten nicht mehr. Alle sind eins in Christus. Ach, hätte die christliche Gemeinde diese Worte doch öfters gelesen und vor allem auch befolgt! Dann gäbe es keine schwarzen und weißen, rein deutschen und stockschwäbischen Gemeinden, sondern nur internationale Gemeinden! Es mag praktische Gründe dafür geben, dass sich etwa Ausländer gleicher Sprache in einer Gemeinde sammeln – aber niemals darf die Ablehnung oder Abwertung anderer Mitchristen der Grund für Separierung sein. Hier sind wir in unserer Geschichte schwer schuldig geworden. Denn wir haben im dritten Reich sogar Judenchristen aus unseren Gemeinden entfernen lassen, ohne für sie einzustehen. Und heute? Welche Mauern muss Christus heute bei uns niederreißen? Ganz reale oder in unseren Köpfen? Meine Gemeinde hat sich seit Jahren das Motto „Glauben und Leben teilen gewählt. Gut, Glauben teilen wir im Gottesdienst oder in Hauskreisen, aber teilen wir auch das Leben? Ja, es fällt mir auch schwer, aus der eigenen Blase herauszukommen und den zu sehen, der nach dem Gottesdienst „übrigbleibt“ und ihn einzuladen. Er und sie gehören wie ich zum Lieb Christi!


10. Juni  Epheser 2, 8 – 12

Noch einmal: Durch Gottes Gnade seid ihr gerettet, und zwar aufgrund des Glaubens. Ihr verdankt eure Rettung also nicht euch selbst; nein, sie ist Gottes Geschenk. Sie gründet sich nicht auf menschliche Leistungen, sodass niemand vor Gott mit irgendetwas großtun kann. Denn was wir sind, ist Gottes Werk; er hat uns durch Jesus Christus dazu geschaffen, das zu tun, was gut und richtig ist. Gott hat alles, was wir tun sollen, vorbereitet; an uns ist es nun, das Vorbereitete auszuführen.
Denkt doch einmal zurück! Ihr wisst ja, dass ihr wegen eurer nichtjüdischen Herkunft die »Unbeschnittenen« genannt werdet, und zwar von denen, die sich selbst als die »Beschnittenen« bezeichnen (dabei ist ihre Beschneidung etwas rein Äußerliches, ein menschlicher Eingriff an ihrem Körper). Wie stand es denn früher um euch? Früher hattet ihr keinerlei Beziehung zu Christus. Ihr hattet keinen Zugang zum israelitischen Bürgerrecht und wart ausgeschlossen von den Bündnissen, die Gott mit seinem Volk eingegangen war; seine Zusagen galten ihnen und nicht euch. Euer Leben in dieser Welt war ein Leben ohne Hoffnung, ein Leben ohne Gott.

Gott hat alles für uns vorbereitet! Wir denken oft, wir seien „unseres eigenen Glückes Schmid“ – aber das stimmt nicht. Bei so Vielem, das wir entscheiden und gestalten, hat etwas Anderes gewirkt. Es war Zufall, sagen die Leute. Nein, es war Gott, der unser Leben in seiner Hand hält, der Dinge vorbereitet hat, der Wege geschaffen hat, auf denen wir laufen können. Und er ruft uns zu: Jetzt lauft auch! Macht etwas daraus! Das bewirkt einerseits Gelassenheit: Ich muss nicht mehr aus mir machen, als ich bin. Ich darf ich sein. Und andererseits: Ich kann im Vertrauen die Gelegenheiten ergreifen, die sich mir bieten und sie als Gottes Weg für mich verstehen. So ermutigt Paulus seine Leser: Euer Weg als Christen ist die Chance für euch, ein ganz anderes, neues Leben zu führen. Ein Leben voller Hoffnung, das über den Tod hinaus geht, ein sinnvolles Leben. Es ist Gottes Geschenk – und darum müssen wir nicht gewaltsam Dinge erzwingen, die uns offenbar nicht geschenkt werden. Welche Chancen meines Lebens empfinde ich als Geschenke Gottes?

9.Juni  Epheser 2, 1 – 7

Auch euch hat Gott zusammen mit Christus lebendig gemacht. Ihr wart nämlich tot – tot aufgrund der Verfehlungen und Sünden, die euer früheres Leben bestimmten. Ihr hattet euch nach den Maßstäben dieser Welt gerichtet und wart dem gefolgt, der über die Mächte der unsichtbaren Welt zwischen Himmel und Erde herrscht, jenem Geist, der bis heute in denen am Werk ist, die nicht bereit sind, Gott zu gehorchen. Wir alle haben früher so gelebt; wir ließen uns von den Begierden unserer eigenen Natur leiten und taten, wozu unsere selbstsüchtigen Gedanken uns drängten. So, wie wir unserem Wesen nach waren, hatten wir – genau wie alle anderen – nichts verdient als Gottes Zorn. Doch Gottes Erbarmen ist unbegreiflich groß! Wir waren aufgrund unserer Verfehlungen tot, aber er hat uns so sehr geliebt, dass er uns zusammen mit Christus lebendig gemacht hat. Ja, es ist nichts als Gnade, dass ihr gerettet seid! Zusammen mit Jesus Christus hat er uns vom Tod auferweckt, und zusammen mit ihm hat er uns schon jetzt einen Platz in der himmlischen Welt gegeben, weil wir mit Jesus Christus verbunden sind. Bis in alle Ewigkeit will er damit zeigen, wie überwältigend groß seine Gnade ist, seine Güte, die er uns durch Jesus Christus erwiesen hat.

Ich gestehe, dass mir diese scharfe Trennung in Welt und Gemeinde Mühe macht. Sind denn alle, die nicht an Jesus Christus glauben, schlechte Menschen? Sind sie alle vom Teufel geleitet? Und lassen wir Christen uns nicht bisweilen von selbstsüchtigen Gedanken leiten? Mich erinnern diese Worte an die Zeugnisse von Drogenabhängigen, die ich früher oft gehört habe. Sie konnten von einer radikalen Lebenswende berichten, sie waren vorher wirklich in einem teuflischen Kreislauf von Abhängigkeit und Kriminalität gefangen. Und das gibt es immer wieder: Menschen, die dem „Geist dieser Welt“ gehorchen, die nach den Maßstäben dieser Welt leben, für die jeder sich selbst der Nächste ist. Solche Menschen werden hier als „tot“ bezeichnet – tot für die Liebe, tot für ihre Nächsten. Wir sind leicht geneigt, solche Menschen abzuschreiben und die Beziehung zu ihnen abzubrechen. Für diese in die Irre gegangenen Menschen gilt: Er hat sie so sehr geliebt, dass er sie lebendig macht! Es geht nicht um ein hochmütiges „Schwarz-Weiß“, hier wir Guten, dort ihr Schlechten, sondern darum, dass Gott Menschen lebendig machen will – auch durch uns. Welche Menschen empfinden wir als „tot“? Wir können für sie beten, den Kontakt halten, sie ganz praktisch lieben.


8.Juni   Epheser 1, 15 – 23

Hinzu kommt, dass ich gehört habe, wie beständig euer Glaube an den Herrn Jesus ist und was für eine Liebe ihr allen entgegenbringt, die zu Gottes heiligem Volk gehören. Wegen all dem kann ich nicht anders, als Gott immer wieder für euch zu danken. Jedes Mal, wenn ich bete, denke ich auch an euch. Ich bete darum, dass Gott – der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater, dem alle Macht und Herrlichkeit gehört – euch den Geist der Weisheit und der Offenbarung gibt, damit ihr ihn immer besser kennen lernt. Er öffne euch die Augen des Herzens, damit ihr erkennt, was für eine Hoffnung Gott euch gegeben hat, als er euch berief, was für ein reiches und wunderbares Erbe er für die bereithält, die zu seinem heiligen Volk gehören, und mit was für einer überwältigend großen Kraft er unter uns, den Glaubenden, am Werk ist. Es ist dieselbe gewaltige Stärke, mit der er am Werk war, als er Christus von den Toten auferweckte und ihm in der himmlischen Welt den Ehrenplatz an seiner rechten Seite gab. Damit steht Christus jetzt hoch über allen Mächten und Gewalten, hoch über allem, was Autorität besitzt und Einfluss ausübt; er herrscht über alles, was Rang und Namen hat – nicht nur in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. Ja, Gott hat ihm alles unter die Füße gelegt, und er hat ihn, den Herrscher über das ganze Universum, zum Haupt der Gemeinde gemacht. Sie ist sein Leib, und er lebt in ihr mit seiner ganzen Fülle – er, der alles und alle mit seiner Gegenwart erfüllt.

Man muss sich, wenn man diesen Text liest, daran erinnern, wer die Empfänger damals waren. Eine kleine Gruppe von Christen, die sich im Hause eines Ortsphilosophen trafen. Und dieser kleinen Truppe wird gesagt: Ihr seid der Leib des wahren Weltherrschers! Sozusagen um die Ecke stand der Tempel des römischen Kaisers, er war der anerkannte und zu verehrende Weltherrscher. Und da kommen diese Sektierer daher und proklamieren ihren Christus als Weltherrscher über alle Autoritäten. Sind sie verrückt? Heute, angesichts einer weltweiten Kirche, empfinden wir das anders. Aber wir sollten uns daran erinnern, wer dieser Weltherrscher ist. Die Offenbarung bezeichnet ihn als „das Lamm auf dem Thron“. Ein eindrückliches Bild für diesen „Gegenkaiser“! Den tieferen Sinn dieser Herrschaft, die Art seines Regierens erkennt man nur mit „den Augen des Herzens“. Es ist diese völlig andere Sicht auf die Welt, die auf die Herrschaft der Liebe hofft und schon ihren Anbruch entdeckt. Wo brauche ich heute mitten in meinem Alltag „Augen des Herzens“? Wo ist Christi Herrschaft schon am Werk?



7.Juni Epheser 1, 8 – 14


Durch sie (die Gnade) hat er uns reich beschenkt, in aller Weisheit und Einsicht, er hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan, wie er es gnädig im Voraus bestimmt hat in ihm. Er hat beschlossen, die Fülle der Zeiten heraufzuführen, das All in Christus als dem Haupt zusammenzufassen, was im Himmel und auf Erden ist, in ihm. In ihm sind wir auch als Erben vorherbestimmt nach dem Plan dessen, der alles so bewirkt, wie er es in seinem Willen beschließt; wir sind zum Lob seiner Herrlichkeit bestimmt, die wir schon früher in Christus gehofft haben. In ihm habt auch ihr das Wort der Wahrheit gehört, das Evangelium von eurer Rettung; in ihm habt ihr das Siegel des verheißenen Heiligen Geistes empfangen, als ihr zum Glauben kamt. Der Geist ist der erste Anteil unseres Erbes, hin zur Erlösung, durch die ihr Gottes Eigentum werdet, zum Lob seiner Herrlichkeit.
In Christus, in ihm – viermal findet es sich in diesem kurzen Text. Wer ist Christus? Richard Rohr schreibt in seinem radikalen Buch „Alles trägt den einen Namen“: „…dass Christus und Jesus nicht einfach denselben Bedeutungsraum einnehmen können. Indem Christen das Wort „Christus“ an Jesus angeklebt haben, als sei dies sein Nachname und nicht jenes Mittel, durch das Gott die gesamte Materie im Verlauf der Geschichte verzaubert hat, wurde das christliche Denken ziemlich schludrig.“ Und an anderer Stelle: „Christus ist überall. In Ihm hat jede Art von Leben Sinn und steht mit allen anderen Lebensformen in einer festen Verbindung.“ Unser Text sagt: „Das All ist in Christus zusammengefasst.“ Allerdings sagt er auch, dass es da eine spezielle Beziehung zwischen uns und Christus gibt: Wir kennen Gottes Willen, wir haben sein Wort gehört und haben den Heiligen Geist empfangen – wir sind in besonderer Weise Gottes Eigentum und Erben. Die „Christus-Beziehung“ kommt bei Christen besonders zum Ausdruck – aber sie sollten sich nicht zu viel darauf einbilden, denn es ist ein Geschenk, kein Verdienst. Und auch andere, ja, alles was lebt, existiert in einer Beziehung zu Christus. Wie verändert das meinen Blick auf meine Mitmenschen? Auf die Schöpfung?

  6.6.2022 Epheser 1, 1 - 7

Paulus, Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes, an die Heiligen in Ephesus, die Gläubigen in Christus Jesus, Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel. Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Grundlegung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor ihm. Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen, zum Lob seiner herrlichen Gnade. Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn. In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade.
Ephesus war eine blühende Hafenstadt in Kleinasien, ein kultureller Mittelpunkt der ganzen Region. Paulus hat dort drei Jahre gelebt und die Gemeinde gegründet. Zwei Jahre lehrte er im Hause eines örtlichen Philosophen, wohl ein Mann großer Toleranz!
Im Vorwort des Briefes findet sich ein Glaubensbekenntnis – und durchaus philosophische Gedanken. Wir sind von Ewigkeit her erwählt und im Voraus bestimmt, seine Kinder zu werden. Dieser Gedanke hat eine jahrhundertelange Diskussion bewirkt. Haben wir einen freien Willen? Können wir uns für oder gegen Gott entscheiden? 1973 hat eine Synode formuliert: „Der Glaube macht zwar die Erfahrung, dass die Heilsbotschaft nicht von allen angenommen wird, er achtet jedoch das Geheimnis von Gottes Wirken. Er bezeugt zugleich den Ernst menschlicher Entscheidung wie die Realität des universalen Heilswillens Gottes.“ (Leuenberger Konkordie). Gott will, dass alle Menschen errettet werden. (1.Tim. 2,4). Fazit: Es ist ein Geheimnis! Warum Menschen nicht glauben können, bleibt uns verschlossen. Selbst glauben zu können, ist kein frommer Verdienst, keine eigene Leistung, sondern ein Geschenk. Wie habe ich zum Glauben gefunden? Wie sehe ich meinen „Eigenanteil“?

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